Das Ortsmuseum Mühle Maur und die Treichler-Stube
Das Ortsmuseum Mühle ist das einzige dieser Art im Bezirk Uster.
Das Ortsmuseum Mühle ist das einzige dieser Art im Bezirk Uster. Seit dem 13. Jahrhundert standen am Dorfbach in Maur zwei Mühlen, 1306 erstmals urkundlich erwähnt, die von der Fraumünster-Abtei in Zürich, Grundeigentümerin des Maurmer Gebiets, betrieben wurden. Die untere Mühle, auf dem Areal Mühlestrasse 12, wurde mit der Säge 1778 vom Hochwasser zerstört. 1701 errichtete der Zimmermann Junghans Vontobel für den Müller Hans Bernhard Zolliker-Gujer das bestehende Gebäude der oberen Mühle, Burgstrasse 13, wie die älteste in Maur erhaltene Bauinschrift bezeugt: Ich Wil vertrouwen Gott dem Herren. Mein Müli Hauß und mein Geschlecht er Well Vermehren. Hauß meister. Bernhardt Zolliker. Hauß Frauw. Régula Guier. Und Bouw meister. Junghans von Tobel. Der Mütt Kernen galt. 11. lb. 1701 Jar. 1822 verwandelte Hans Jakob Kaspar den Mühle-trakt in einen zeitgemässen Fabrikbau mit neuem Radhaus und ebenerdigem Eingang. Die Mühle gehörte von 1863 bis 1969 der Familie Kunz; nach 1900 wurde der Betrieb eingestellt, 1912 das Wasserrad ab-
gebrochen. 1971 erwarb die Gemeinde Maur das Gebäude; regionales Schutzobjekt 1979, restauriert 1987/88. Im zweiten Stock, im Dachraum und im Ökonomieteil ist seit 1991 das Ortsmuseum eingerichtet.
Die Treichler-Stube ist ein kulturell akzentuierter Teil des Ortsmuseums. Das rustikale Wohnzimmer im zweiten Stock besteht aus dem Eckflügel mit vier Fenstern und einer bis 1987 abgetrennten kleinen Kammer mit nur einem Fenster und Tür an der Westwand, durch die man eintritt. Der grössere Raum wurde 1913 dreiseitig mit Krallentäfer ausgekleidet; der tief hängende Deckenbalken markiert die Stelle der vormaligen Trennwand. Die Treichler-Stube ist seit 1988 so benannt in Erinnerung an das Vermächtnis von Marie Treichler-Pétua, wodurch Kunstwerke und antikes Mobiliar in das Eigentum der Gemeinde Maur gelangt sind.
Marie Treichler-Pétua (1884–1971) wirkte von 1912 bis 1939 als Primarlehrerin in Zürich. 1916 heiratete sie den Sekundarlehrer Heinrich Treichler (1879–1946), mit dem sie 1941 nach Maur übersiedelte. Das Ehepaar hatte hier 1927 ein im 17. Jahrhundert erbautes Haus am Kirchweg 1 erworben und an Wochenenden bewohnt. 1946 gestaltete die Witwe dieses zur Pétua-Treichler-Gedenkstätte. Ihr Vermögen kam als Legat zu gleichen Teilen an die Kirchgemeinde und die politische Gemeinde Maur: die Liegenschaft, antike Möbel und der künstlerische Nachlass ihres Vaters. Im Testament von 1970 verfügte sie ausdrücklich: «Die Bilder sollen in geeigneter Weise das Andenken an das künstlerische Schaffen meines Vaters Léon Pétua und meiner Schwester Jeanne Pétua wachhalten.»
Das antike Mobiliar aus dem Nachlass von Marie Treichler-Pétua war Teil ihrer Wohnungseinrichtung im «Hüsli» am Kirchweg 1 in Maur und wurde 1972 zunächst im Pfarrhaus provisorisch untergebracht. Seit 1988 ist die Treichler-Stube damit museal bestückt und wesentlich aufgewertet. Einige Möbel sind auch in der Burg ausgestellt.
Das Harmonium ist ein Tasteninstrument nach dem Druckwind-System, in seltener Ausführung mit geteilten Tasten, aus der Orgelbaufirma E. F. Walcker & Cie. In Ludwigsburg, gebaut um 1880 für Gebrüder Hug in Zürich. Geschenk 1884 von Johannes Trüb (1849–1907), Pfarrer in Ennenda, an die Kirchgemeinde Maur zum Dank für die Förderung seines Studiums durch Johann Jakob Kägi (1824–1904), Pfarrer in Maur von 1852 bis 1892. Bespielt bis zur Einweihung der Orgel der Kirche Maur am 7. Januar 1934. Seit 1988 in der Treichler-Stube. Restauriert von Dieter Stalder, Eigentümer des 1992 eröffneten Harmonium-Museums in Liestal, 2012.
Veranstaltungsort
Ortsmuseum Mühle Maur, Treichler-Stube
Burgstrasse 13
8124 Maur
Lageplan
Weitere Information
Für einen Besuch im Ortsmuseum Mühle melden Sie sich bitte bei unseren Aufsichten in der Burg Maur. Wir begleiten Sie gerne. Eintritt frei.
Allgemeine Angaben
Kontaktperson: Susanna Walder, Kuratorin
Tel. 044 980 26 33
info@museenmaur.ch
https://www.museenmaur.ch